Die Langhe


Die Hügel von Langhe und Roero werden durch den Fluss Tanaro geteilt, wobei die Langhe rechts und Roero links vom Ufer liegen. Wir befinden uns hier im südlichen Piemont, genau zwischen den Provinzen von Cuneo und Asti. Vor dreißig Millionen Jahren war hier alles Meer und die Hügel bildeten das Unterwasser-Riff.

Heute ist diese Gegend ein Synonym für Tourismus und hohe Lebensqualität, das sich auf die Exzellenz der lokalen Küche und des Weines, wie auch auf die Lebensrhythmen der Menschen eingestellt hat. Ausgedehnte Hügel mit Weinbergen und einzelnen Gebäuden verleihen dem Panorama einen einzigartigen Charakter: kleine Dörfer, mittelalterliche Burgen, romanische Kirchen und Ciabòt (typische Unterkünfte für die landwirtschaftlichen Werkzeuge) machen dieses Land typisch für diese Gegend. Egal ob Sie nun die Lieblichkeit der Langhe mit ihren gepflegten und geordneten Weinrebenreihen, oder das eher unzugängliche, wilde Roero rund um Alba herum mit seinen Jahrhunderte alten "Cento Torri" (hundert Türmen) lieben, beide Gebiete sind auf jeden Fall einen Besuch wert.

Weißer Trüffel der Dämmerung

Der weiße Trüffel von Alba

Der Schein trügt, das wissen wir. Und da macht auch der Prinz der piemontesischen Küche, der Weiße Trüffel von Alba, keine Ausnahme: Entgegen seinem botanischen Namen (Tuber magnatum Pico) ist er keine Knolle, sondern ein unterirdischer Pilz, der in Symbiose mit den Wurzeln der Pflanze lebt, in dessen Schatten er wächst (besonders unter Eichen, Pappeln, Weiden und Linden).

Im Dialekt der Langhe wird er "trifola" genannt. Daher heißen die Trüffelsucher auch „trifolau“ und ihre unzertrennlichen Begleiter "tabui", die Trüffelhunde. In der Stille der dunklen Herbstnächte (die dem Tier eine bessere Konzentration und dem Trüffelsucher bessere Sicherheit bieten, da er in Ruhe ohne neugierige Blicke der Konkurrenz arbeiten kann) durchstreifen sie gemeinsam die Wälder. Sobald der Hund den Trüffel gewittert hat, beginnt er am Fuße des Baumes zu graben, bis der Besitzer ihn stoppt und - zuerst mit einer Hacke und schließlich per Hand - den kostbaren Pilz herausholt.

Einmal ausgegraben, muss er in einem Glasgefäß oder in einem luftdichten Plastikbehälter aufbewahrt werden. Er sollte mit einem saugfähigen Papier (z.B. Küchenpapier) umwickelt sein, welches täglich gewechselt werden muss. Man sollte auf keinen Fall Reis dazu geben, wie oft fälschlicherweise geraten wird, denn dieser saugt die Feuchtigkeit des Trüffels zu stark auf, trocknet ihn zu sehr aus und nimmt ihm seinen Duft. Ebenfalls ist von einer Aufbewahrung in Öl abzuraten, da diese die Gärung fördert. Der Behälter sollte dann im unteren Bereich des Kühlschranks aufbewahrt werden, bei einer Temperatur zwischen 2 und 4°C (Vorsicht bei allen Milchprodukten, wie Butter oder Käse; sie neigen dazu den Geruch des Trüffels aufzunehmen). Selbst bei besten Lagerbedingungen, sollte der Trüffel spätestens innerhalb von sieben bis zehn Tagen nach dem Kauf verzehrt werden. Es gilt die gleiche Regel, wie bei allen Frischprodukten: Je eher man sie konsumiert, desto besser und intensiver sind die Sensationen, die der Trüffel verleiht.

 

Unesco

Unesco-Erbe

Ein Gebiet von 10.789 Hektar, plus weitere 76.000, wenn man die Pufferzonen mit fünf Weingebieten und einer Burg einbezieht, der Namen an die tiefgründigen und antiken Erfahrungen der Beziehung zwischen Mensch und Umgebung erinnern. Die von Generation zu Generation übertragenen Praktiken der Bauern und die Tradition des Volkes führten in einem über ein Jahrhundert lang andauernden Prozess zur schrittweisen „Zähmung“ der Landschaft, bis sie im Jahr 2014 von der Unesco ihre außerordentliche Anerkennung als Kulturerbe erhalten hat.

Die Weinberglandschaften de Langhe-Roero und des Monferrato gehören zu den zuletzt hinzugefügten Stätten unter den insgesamt 1.073 der World Heritage List (Welterbeliste), die in 167 Länder der ganzen Welt verteilt sind. Italien liegt mit seinen 53 Juwelen in dieser Liste auf dem ersten Platz. Belohnt wurde die Einzigartigkeit eines Landes, in dem eine reiche Anzahl von Bodenbeschaffenheiten mit einer sorgfältigen Auswahl an oft einheimischen Reben und geschickte Weinherstellungsprozesse miteinander kombiniert wurden und ein Gebiet hervorbrachten, das mehr als jedes andere in der Lage ist, die Schönheit des Weinzyklus zu bezeugen.

Die Langa von Barolo (Das Barolo-Gebiet)

Kommen wir also zur Langa des Barolos, Synthese auf dem Weg zur Perfektion, wo es Mensch und Natur gelungen ist, ein harmonisches Gleichgewicht zu kreieren und das ursprüngliche Gebiet aufzuwerten, um es zu einem der weltweit besten Gebiete der Weinproduktion zu machen. Die Hügel sehen aus wie gekämmte Gärten, mit Dörfern, die sich wie kleine Juwelen aus Backstein und Stein zwischen Himmel und Erde schmückend einfügen und hochmodernen oder traditionellen Weinkellern, die vom Wein und seiner Geschichte erzählen. Die Kernzone des Barolos schützt nicht nur die Weinberge, sondern auch das außergewöhnliche Erbe der Schlösser von Barolo, Serralunga und Castiglione Falletto, sowie die antiken Weinkeller von Fontanafredda.

Nizza Monferrato und der Barbera

Im Herzen des Monferrato, Wahlheimat des Barbera d'Asti, ist die "Signora in Rosso" (Dame im rot) die Königin der in Weinfässer gereiften Weine. Hier spricht alles von dieser Rebe, die in diesem Gebiet die erste Verbreitung und Anbau erlebte und die heute besonders an die Welt der Kooperation der Winzergenossenschaften gebunden ist. Das Gebiet beherbergt außerdem wichtige kuturelle Zeugnisse der Weinkultur, darunter das Museum Bersano.

Das Monferrato des Infernot

Zwischen Rosignano und Vignale Monferrato wechseln sich Weinberge, Wälder und Felder ab. Auf den Hügeln erheben sich die kleinen Dörfer, gebaut aus den Steinen mit dem Namen "pietra cantone", einem weißen, kompakten und glänzenden Stein, der in Sand- und Kalksteinbrüchen abgebaut wird und Erbe des hier früher vorhandenen Meeres ist. Im Wahlgebiet des Barbera del Monferrato befinden sich etwa zehn „Infernòt“, unterirdische Weinkeller, die per Hand gemeißelt und mit Ziegelsteinen verkleidet wurden, um die erlesenen Weine zu lagern.

Die Burg von Grinzane Cavour

Die Burg von Grinzane Cavour ist eine unentwirrbare Verflechtung aus Geschichte, Kultur, Arbeit, Beziehung zur Natur und menschlicher Genialität. Ein Juwel der mittelalterlichen Architektur - aus dem ersten Hälfte des elften Jahrhunderts, rund um den zentralen Turm gebaut - im Jahr 1960 anlässlich des hundertsten Jahrestages der Wiedervereinigung Italiens restauriert. Die Burg spielte eine entscheidende Rolle in der Geschichte des Baroloweins. Sie war Wohnsitz von Camillo Benso, dem Grafen von Cavour, der sich im Einvernehmen mit den Marchesen von Falletti an den Önologen Louis Oudart wandte, damit dieser nach dem Vorbild der Burgunderweine, das volkstümliche Getränk aus der Nebbiolo-Traube in einen „Wein der Könige“ verwandelte. Heute ist die Burg Sitz der ersten regionalen Weinhandlung des Piemonts und eines der vollständigsten ethnographischen Museen der Weintradition aus dieser Gegend.

Canelli und Asti Spumante

Die unwegsamen Hügel von Canelli, die hauptsächlich dem weißen Moscatotrauben bebaut und für die Produktion von Moscato d'Asti und Asti verwendet werden, zählen zu den malerischsten und wildesten Landschaften der Langhe. Neben der Schönheit der Weinberge, hat die UNESCO den önologischen Wert des Weingebietes anerkannt: In Canelli, Hauptstadt des italienischen Sekts, der hier dank Carlo Gancia gegen Mitte des 19. Jahrhunderts zum ersten Mal produziert wurde, entstanden die spektakulären und berühmten Weinkeller, die heutigen "Cattedrali Sotterranee" (unterirdische Kathedralen). Der unterirdische und kilometerlange Bau begann im 19. Jahrhundert, wobei per Hand durch Graben in den Mergel und Verkleidung mit Backsteinen realisiert wurde, um die Lagerung der Weine bei einer konstanten Temperatur zu erlauben.

Die Hügel von Barbaresco

Ein weiterer edler Rotwein, Abkömmling der Nebbiolo-Traube, ist der Barbaresco, der in den Hügeln nordöstlich der Stadt Alba an den Ufern des Tanaro das "Licht der Welt" erblickte. Zwei Orte sind besonders erwähnenswert: Neive, eine Kleinstadt mit sehr antikem Ursprung, einst Sitz wichtiger Adelsfamilien, deren Erbe noch heute in den prächtigen Barockpalästen des historischen Zentrums zu bewundern ist. Und Barbaresco mit seinem mittelalterlichen über dem Fluss dominierenden Turm, der an die Ereignissen gebunden ist, die zu über eine Jahrhunderte alte Tradition zu der Entstehung des gleichnamigen Weins geführt haben.